
S7-300 auf S7-1500 migrieren – SPS-Retrofit für Bestandsanlagen
Die SIMATIC S7-300 hat jahrzehntelang zuverlässig gearbeitet – doch ihre Zeit läuft ab. Wer seine Anlage langfristig sicher betreiben will, sollte die Migration auf die S7-1500 jetzt planen – bevor ein Ausfall die Entscheidung erzwingt.
Die Siemens-Fristen im Überblick
1. Oktober 2023
Abkündigung der S7-300 und der Peripherie ET 200M (PM400).
1. Oktober 2025
Ende des regulären Verkaufs als Neuprodukt (PM410).
bis 1. Oktober 2033
Ersatzteile nach aktueller Siemens-Planung erhältlich.
Für einzelne Baugruppen können abweichende Termine gelten. Maßgeblich ist jeweils die Artikelnummer.
Als freiberuflicher SPS-Programmierer mit über 13 Jahren Erfahrung modernisiere ich bestehende Anlagen mit möglichst geringem Produktionsrisiko: von der Bestandsaufnahme über die Programmumstellung im TIA Portal bis zur Inbetriebnahme vor Ort. Ziel ist, die bewährte Funktion Ihrer Anlage zu erhalten und die Vorteile der S7-1500 gezielt zu nutzen.
Warum die S7-300 jetzt modernisieren?
Ersatzteilrisiko
Mit fortschreitendem Produktlebenszyklus werden Beschaffung, Lieferzeiten und Kosten von Ersatzteilen zunehmend zum Risiko – gebrauchte Baugruppen bergen zusätzliche Unsicherheit.
Stillstände vermeiden
Fällt eine CPU oder Baugruppe aus und ist kein Ersatz greifbar, kann die Anlage lange stehen.
Erweiterungen werden aufwendiger
Technisch oft noch möglich, durch die eingeschränkte Verfügbarkeit passender Komponenten aber zunehmend schwierig.
Know-how sichern
Ältere Programme mit AWL oder indirekter Adressierung werden mit jedem Jahr schwerer zu warten.
Mehr Leistung und Diagnose
Deutlich mehr Rechenleistung, integrierte Systemdiagnose, Webserver, PROFINET und moderne Security-Funktionen.
S7-300-Migration: Ablauf und Leistungen
- Bestandsaufnahme: Ich erfasse Hardware, CPU-Auslastung und Speicherbedarf, Signal-, Technologie- und Sonderbaugruppen, Netzwerk und Kommunikationspartner, Bedienpanels, Platz im Schaltschrank sowie die vorhandene Dokumentation.
- Migrationskonzept: Gemeinsam legen wir fest, ob die Migration in einem Schritt oder schrittweise erfolgt – zum Beispiel zunächst die Steuerung tauschen und die vorhandene dezentrale Peripherie weiterverwenden, später die E/A-Ebene auf ET 200SP oder ET 200MP umstellen.
- Programmumstellung im TIA Portal: Das STEP-7-Programm wird in das TIA Portal überführt und für die S7-1500 aufbereitet. Wo sinnvoll, stelle ich AWL-Teile auf SCL oder FUP um, damit Ihr Instandhaltungspersonal das Programm später leichter versteht.
- Visualisierung: Bestehende HMI-Projekte mit WinCC flexible oder WinCC prüfe ich auf ihre Migrationsfähigkeit und stelle sie auf geeignete Nachfolgegeräte wie SIMATIC HMI Unified Comfort Panels um – oder erstelle sie bei Bedarf neu, auf Wunsch ergänzt durch eine Web-HMI.
- Test vor dem Umbau: Mit S7-PLCSIM bzw. PLCSIM Advanced teste ich geeignete Programmfunktionen vorab. Für realistische Ablaufprüfungen kann zusätzlich eine Prozesssimulation sinnvoll sein.
- Umbau und Inbetriebnahme: Vor dem Umbau werden alle Projekt- und Parameterstände gesichert und ein Rückfallkonzept festgelegt. Den Umbau plane ich so, dass der Stillstand möglichst kurz ist – etwa am Wochenende oder in Revisionszeiten. Danach folgen Signaltest, Funktionstest und Optimierung.
- Dokumentation und Schulung: Sie erhalten ein dokumentiertes Programm und auf Wunsch eine Einweisung für Bediener und Instandhalter.
STEP 7 Classic auf TIA Portal umstellen
Die Programmübernahme erfolgt mit den Migrationsfunktionen des TIA Portals. Je nach TIA-Portal-Version und Projektstand kann dafür ein Zwischenschritt über eine ältere TIA-Portal-Version nötig sein. Eine reine Konvertierung reicht allerdings selten: Systemfunktionen (SFC/SFB), Kommunikationsbausteine, Bibliotheken und Technologiebausteine müssen auf Kompatibilität geprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.
Bestehende ET-200M-Peripherie weiterverwenden
Vorhandene dezentrale ET-200M-Stationen lassen sich – abhängig von Anschaltbaugruppe, Busanbindung und Kompatibilität – häufig zunächst weiterverwenden. Das senkt Kosten und Stillstand beim ersten Schritt.
Wichtig: Eine PROFIBUS-Anschaltung bleibt PROFIBUS, und nicht jede S7-1500 hat eine integrierte PROFIBUS-Schnittstelle; je nach CPU ist ein Kommunikationsmodul erforderlich. Baugruppen im zentralen S7-300-Baugruppenträger werden durch S7-1500- oder ET-200MP-Baugruppen ersetzt.
Typische Herausforderungen bei der SPS-Migration
AWL, Pointer und indirekte Adressierung
Die S7-1500 unterstützt AWL (STL) weiterhin, jedoch nicht alle bisherigen Programmierverfahren der S7-300. Ziel ist der Erhalt der Anlagenfunktion – nicht zwingend eine unveränderte Übernahme jeder Codezeile.
Datenbausteine und externe Zugriffe
Optimierte Datenbausteine verändern das Zugriffsmodell. Absolute Zugriffe, HMI-Variablen, Rezepturen und externe Kommunikation berücksichtige ich gezielt.
Technologie- und Sonderbaugruppen
Schnelle Zähler, Positioniermodule, SSI-Geber und spezielle Analogbaugruppen haben oft keinen 1:1-Ersatz.
Zykluszeiten und Zeitverhalten
Die höhere Leistung der S7-1500 kann das Zeitverhalten verändern. Timer, Weckalarme, OB-Aufrufe und Ablaufsteuerungen werden gezielt getestet.
Sicherheitsprogramme (F-CPU)
Sicherheitsfunktionen, Hardwarekonfiguration und Änderungen werden bewertet; anschließend erfolgen Verifikation, Validierung und Dokumentation entsprechend den geltenden Anforderungen.
Kommunikation zu anderen Systemen
Kopplungen zu Leitsystemen, Steuerungen, Antrieben oder Robotern – PROFIBUS, PROFINET, TCP/IP oder OPC UA – werden geprüft und angepasst.
Ob bei Anlagen mit Sicherheitstechnik eine wesentliche Veränderung der Maschine vorliegt, die weitere Pflichten auslöst, wird im Einzelfall geklärt.
Ihre Vorteile
Ein Ansprechpartner
Von der Analyse bis zur Inbetriebnahme.
Geringes Produktionsrisiko
Modernisierung mit Plan, Sicherung und Rückfallkonzept.
Planbarer Stillstand
Umbau in Abschnitten, am Wochenende oder in Revisionszeiten.
Wartbare Struktur
Saubere, dokumentierte Programme, die Ihr Team selbst warten kann.
Erfahrung mit Retrofits
In laufenden Bestandsanlagen – deutschlandweit und im europäischen Ausland.
Häufige Fragen zur S7-300-Migration
Wann endet die Ersatzteilversorgung für die S7-300?
Nach aktueller Siemens-Planung bis zum 1. Oktober 2033. Seit dem 1. Oktober 2025 ist die S7-300 nicht mehr regulär als Neuprodukt erhältlich. Für einzelne Artikelnummern können abweichende Termine gelten.
Kann eine S7-1500 mit vorhandener ET-200M-Peripherie betrieben werden?
Häufig ja – abhängig von Anschaltbaugruppe und Busanbindung. Das kläre ich in der Bestandsaufnahme.
Kann ich mein STEP-7-Classic-Programm automatisch migrieren?
Das TIA Portal bietet Migrationsfunktionen, die einen Großteil übernehmen. Danach ist in der Regel Nacharbeit nötig, etwa bei Systemfunktionen, indirekter Adressierung oder Kommunikationsbausteinen.
Unterstützt die S7-1500 weiterhin AWL?
Ja, allerdings mit Einschränkungen. Bestimmte Befehle und Adressierungsarten müssen angepasst werden. Für eine gut wartbare Struktur bietet sich oft eine teilweise Umstellung auf SCL oder FUP an.
Muss das Bedienpanel ebenfalls ausgetauscht werden?
Nicht immer. Das hängt von Paneltyp und Projektversion ab. Ältere Panels lassen sich oft weiter betreiben oder werden schrittweise auf geeignete Nachfolgegeräte wie SIMATIC HMI Unified Comfort Panels umgestellt.
Wie lange steht die Anlage still?
Bei gut vorbereiteten Migrationen mit weitgehend unveränderter Peripherie lässt sich der Stillstand deutlich reduzieren. Die konkrete Dauer ergibt sich aus Hardwareumfang, Schnittstellen, Testaufwand und erforderlichen Abnahmen – ich plane sie vorab gemeinsam mit Ihnen.
Was ist mit S7-400 und älteren Steuerungen?
Auch für bestehende S7-400-Anlagen und ältere Systeme erarbeite ich geeignete Modernisierungskonzepte auf Basis aktueller SIMATIC-Steuerungen.
Was kostet eine Migration?
Das hängt von Programmgröße, Hardware und Dokumentationsstand ab. Nach einer kurzen Analyse erhalten Sie ein transparentes Angebot.
Jetzt Migration planen
Schildern Sie mir kurz Ihre Anlage – CPU-Typ, ungefähre Programmgröße und Peripherie genügen für eine erste Einschätzung. Ich melde mich zeitnah bei Ihnen.